EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 6

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BRANDSCHLAF

Hein schreckte aus dem Tiefschlaf auf. Ein dumpfer Knall liess ihn aufwachen. Sein Richback Rüde bellte drei Mal. Dann fletschte er die Zähne und knurrte in Richtung Zimmertüre. Und dann kam nochmals ein tiefes «Wau» von seinem Hund. «Aus», zischte Hein in Richtung seines Hundes und schob ein «Platz» hinterher. Er klappte die Decke zur Seite, griff in die Schublade seines Nachttischchens und nahm seine Dienstwaffe heraus. Er entsicherte die Pistole und machte eine Lade-bewegung. Barfuss schlich er sich der Schlafzimmerwand entlang. Sein Hund beobachtete ihn. Bei der Türe versuchte Reto Hein so gut es ging um die Ecke zu schielen um etwas erspähen zu können. Dann stieg es ihm in die Nase: «Rauch». Er sprang in die Mitte des Türrahmens mit seiner Pistole im Anschlag und sah, wie auf der Höhe der Wohnzimmerfenster orange Flammen aussen an der Fassade hochzüngelten und sich bereits schon durch die hölzernen Fensterrahmen frassen. Der Rauch kroch der Decke entlang in seine Richtung. Er zögerte keine Sekunde, hechtete nach seinem Handy auf dem Nachttisch, wählte die Notfallnummer der Feuerwehr und berichtete die Situation. Während er mit dem Beamten am anderen Ende telefonierte klaubte er sich seine Kleider zusammen und griff nach dem Geldbeutel, Autoschlüssel und dem Notebook auf der Kommode. Er beendete das kurze Telefongespräch mit den Worten «aber wenn’s geht dalli, dalli, danke, ciao». Er stand auf, schnappte sich seine Schuhe, nahm seinen Hund an die Leine und rannte nach draussen. Da stand er nun in Boxershorts und T-Shirt und schlotterte. Er bewegte sich auf seinen Land Rover Defender zu, der etwas weiter weg von seinem Rebäuschen stand und öffnete die grosse Hecktüre. Er setzte sich auf die Ladefläche und fing an sich anzuziehen, während er beobachtete wie die ostwärts gerichtete Fassade lichterloh brannte und sich die Flammen bereits schon zum Dach hochfrassen. Er klopfte auf die Ladefläche und sein Hund sprang zu ihm noch. Er kraulte seinen Kopf, gab ihm ein Leckerli aus seiner Jackentasche, befahl im Platz zu machen und schloss die Klappe. Reto schnappte sich sein Handy und wählte die Nummer von Fabienne Pfammatter. Es war drei Uhr dreissig.

 

«Kannst du nicht schlafen?» raunzte Fabienne schlaftrunken ins Telefon. «Es brennt», erwiderte Reto Hein in einer Seelenruhe. Pfammatter war mit einem Schlag hellwach und richtete sich in ihrem Bett auf. «Was?», brüllte sie ins Telefon. «Es brennt bei mir!» Hein war die Ruhe selbst. Fabienne traute ihren Ohren nicht: «Und du hast die Ruhe weg? Was ist denn mit dir los?». «Feuerwehr kommt gleich», grinste Hein ins Handy und liess sich nicht aus der Ruhe bringen. «Du hast einen Schock, Hein!» «Nein, nein», entgegnete er. «Vielleicht bringen ja die Videoaufnahmen etwas.» «Was für Videoaufnahmen?» fragte Fabienne erstaunt während dem sie sich angefangen hat anzuziehen. Hein grinste ins Telefon: «Ich habe dem Techniker von der Spusi gestern Abend gesagt, er soll Kameras installieren, weil ich mit irgendetwas gerechnet habe. Allerdings nicht mit sowas. » Aus der Ferne war das Martinshorn der Feuerwehr zu hören. Pfammatter, welche sich in einer fast akrobatischen Nummer in ihre Kleider gezwungen hatte, stolperte sich in Richtung Garage mit dem Telefon am Ohr und hörte ebenfalls die herannahende Feuerwehr. «Ich komme Hein, halt durch», schrie sie ins Telefon und legte auf. Hein versuchte inzwischen sich so nahe wie möglich an die brennende Hausfassade zu kommen. Es war heiss. Sehr heiss. Schützend hielt er sich seine Wachsjacke vor sein Gesicht und stocherte mit einer langen Latte, welche er an der anderen Hausseite gefunden hatte in Richtung Feuer. Immer wieder drängten ihn die Flammen zurück, doch schliesslich schaffte er es nach mehreren Versuchen und bugsierte mit dem langen Holz eine zerbrochene Flasche aus dem Brandherd. «Molotowcocktail, dacht ich’s mir», murmelte Hein und schaute, dass er die Überreste der Flasche sichern konnte. Das blinkende Blaulicht kam näher und näher und schliesslich fuhren die Fahrzeuge des Feuerwehrverbandes «HOT» auf den kleinen Vorplatz. Sofort sprang ein Feuerwehrmann in Vollmontur auf Reto Hein zu und rief: «Hein, ist dir langweilig? » Beide grinsten. «Mach deinen Job, Herr Kommandant – und es ist Brandstiftung», erwiderte Hein. Der Kommissar hielt dem Kommandanten der Feuerwehr eine zerbrochene Glasflasche, fein säuberlich in einen transparenten Plastikbeutel verpackt, unter die Nase. «Molli», bemerkte der Kommandant. Hein nickte. In der Zwischenzeit hatten die Feuerwehrleute bereits Schlauchleitungen vom nahe gelegenen Hydranten gelegt und fingen mit dem Löschen an. Hein setzte sich in den Kommandowagen der Ortsfeuerwehr um sich etwas aufzuwärmen. Der Kommandant gesellte sich zu ihm und bot ihm aus einer schwarzen Isolierflasche einen heissen Tee an. Reto Hein nahm dankend an. «Bist wohl jemandem wieder zu sehr auf die Füsse getreten, Hein?». Der Feuerwehrkommandant schaute ihn fragend an. Hein starrte in seinen Becher und hielt diesen mit beiden Händen umschlungen fest. «Ist wohl so», entgegnete er ohne seinen Blick zu heben und fügte an: «Du weisst ja, Stefan, kein Kommentar. Und um 10 Uhr ist eine Pressekonferenz im Schlössli Wörth». «Tja dann», antwortete der Feuerwehrmann. «Schauen wir mal, dass du noch was von deinem Häuschen brauchen kannst!» Er öffnete die Schiebetüre, montierte seinen Helm, schloss seine schwere Jacke und ging zu seinen Männern. «Türe zu», rief ihm Hein nach und zog diese mit einem heftigen Ruck zu. Er schaute gerade auf seine Uhr als Fabienne Pfammatters Tesla mit Blaulicht neben dem Kommandowagen zum Stehen kam. Drei Uhr siebenundfünfzig. 

 

Rund 24 Stunden nach ihrem letzten gemeinsamen Nachteinsatz sassen die beiden Kommissare Fabienne Pfammatter und Reto Hein im Kommandobus der Ortsfeuerwehr Hallau und tranken Tee. Pfammatter hatte Hein herzlichst umarmt und war froh, dass ihm nichts passiert war. Sie schaute ihn durchdringend an. «Warum bei Dir, Reto?», fragte sie und spielte dabei mit ihrem Autoschlüssel. «Wenn ich das wüsste», entgegnete Hein schlaftrunken. Er spürte nun, dass er nur knapp vier Stunden geschlafen hatte und fuhr fort: «Ich muss den Hund holen. Melde dich schon mal beim Staatsanwalt und der Spusi. Bitte!» Er öffnete die Schiebetür, zog diese mit einem lauten Knall hinter sich zu und stapfte zu seinem Defender. Er befreite seinen Richback, liess ihn sich im Rebberg versäubern, pfiff einmal durch seine Zähne und schlurfte mit ihm zurück zum Bus. Der Hund lief brav bei Fuss. Er öffnete die Türe und gab ihm einen Befehl «Hopp» und beide verschwanden wieder im Inneren. Fabienne schloss gerade das Gespräch mit dem Staatsanwalt mit den Worten «Danke und bis später» ab. «Und?», nickte Hein in ihre Richtung. «Rösslispiel ist auf dem Weg.» Sie drehte den Kopf in Richtung des brennenden Hauses und beobachtete die löschenden Feuerwehr-leute. «Überleg mal Reto, wem bist du letztens so richtig auf den Schlips getreten?», sie machte keine Pause und ergänzte: «Zuerst das mit dem Videoclip, der über deine IP-Adresse versendet wurde mit einem technischen Trick, jetzt ein Brandanschlag?» Reto Hein überlegte und zuckte mit den Schultern. Sein iPhone machte ein «Bling». Er schaute drauf und öffnete die Nachricht. «Von der Spusi», sagte er zu Fabienne und hielt das Telefon so hin, dass beide auf den Bildschirm sehen konnten. Er startete die Videonachricht. Man sah Reto Heins Haus mit dem kleinen Vorplatz. Das Video wurde offenbar von einer Nachtsichtkamera gemacht, denn es war komplett in einem Grünstich gehalten. Nach einigen Sekunden war zu erkennen, wie ein SUV auf der Zufahrtsstrasse anhielt und 2 komplett maskierte Personen ausstiegen. Zielstrebig gehen sie auf Heins Haus zu. In dem Moment, wo sie die Molotowcocktails anzünden wird das Bild weiss. Dann sieht man die beiden Brandbomben auf das Haus zufliegen. Die Personen im Video drehen sich um, rennen zum wartenden Auto, steigen ein und fahren bergwärts davon. «Und?», fragte Fabienne Pfammatter ihren Kollegen. «Hmmmm», grummelte Hein. «Die Spusi soll mal die Strasse Richtung Berghof und Schwärzibuck unter die Lupe nehmen.» Fabienne nickte, öffnete die Seitenscheibe und rief einen Beamten in Vollmontur zu sich und erklärte ihm was noch zu tun sei. Auf der anderen Wagenseite öffnete sich die Schiebetüre und der Feuerwehrkommandant streckte seinen Kopf hinein. «Wir haben den Brand soweit gelöscht und unter Kontrolle. Der Schaden im Haus hält sich bis auf das Wasser im Wohnzimmer in Grenzen.» Hein und Pfammatter hörten aufmerksam zu. «Und das Dach?» fragte Reto. «Glück im Unglück. Die Hauptträger sind in Takt und somit ist die Stabilität gewährleistet. Der Schneeregen von gestern hatte zum Glück das Holz gut feucht gehalten.» «Danke dir, Stefan», sagte Hein erleichtert. «Ich lasse ein Reinigungsinstitut und Handwerker kommen.» Fabienne Pfammatter fasst Reto Heins Hand und schaute ihn vertraut an. Dann sagte sie: «Und du Reto kommst jetzt mit zu mir und legst dich bis zur Pressekonferenz um 10 Uhr noch etwas aufs Sofa.» «Gerne», antwortete Hein und lächelte verschmitzt. «Ich folge dir.» Sie setzten sich beide in ihre Fahrzeuge, starteten die Motoren und machten sich auf nach Schaffhausen in Fabiennes Wohnung. Die Feuerwehr rollte ihre Schläuche wieder ein und zog ebenfalls von dannen. Einzig die Mitarbeiter der Spurensicherung in ihren weissen Overalls blieben vor Ort und durchkämmten Heins Grundstück Millimeter für Millimeter. Es war vier Uhr vierundvierzig.

Reto Heins Rebhäuschen in Hallau viel einem Brandanschlag zum Opfer. Warum?

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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