EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 8

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STÜCK FÜR STÜCK

Fabienne Pfammatter schlängelte sich durch den Schaffhauser Mittags-Verkehr in Richtung Klettgau und bretterte mit Vollgas durch den Galgenbuck-Tunnel. Ihr Tesla drückte Reto Hein zum Teil ganz schön in die Ledersitze und er musste sich schon ziemlich gut im Auto festhalten. Pfammatter, welche auch schon Rally’s gefahren ist, holte alles aus dem Elektroauto raus.

 

Die Uhr schlug Mittag, als in der Waldhütte «ZUM STAUFFEHAU» auf dem Staufferbärg zwischen Siblingen und Beringen aus verschiedensten Himmelsrichtungen die Fahrzeuge eintrafen. Menschen in schwarzen Umhängen stiegen aus und begaben sich mit übergezogener Kapuze und gesenkten Köpfen in die Hütte. Die eingestickten Nummern auf der linken Brustseite waren gut zu erkennen. Nummer zehn und zwei reisten gemeinsam an, genauso neun und drei, acht und vier, sieben und fünf und sechs und eins. Nummer elf kam genauso wie die Nummer dreizehn alleine zur Hütte gefahren. Letztere trug wieder den purpurnen Umhang. Die schwere Holztüre viel hinter der Dreizehn in Schloss. Stille. Nur ein paar Geräusche aus dem Wald waren zu hören. Und ganz weit in der Ferne hörte man eine Motorsäge. Die Personen in ihren Umhängen hatten sich an den Holztisch gesetzt. Paarweise sich immer gegenübersitzend. Am einen Ende des Tisches sass Nummer elf und gegenüber am Kopfende die Nummer dreizehn. Elf klopfte auf mit einem Holzhammer auf den Tisch. «Ruhe», zischte er unter der Kapuze hervor. Dreizehn beugte sich vor, legte die Arme auf den Tisch, faltete die Hände zusammen, räusperte sich und sagte mit leiser Stimme: «Engel, wir sind letzte Nacht unserem Ziel der Eliminierung unserer Gegner des Ausbaus der Bodensee-Hochrhein Autobahn A98 wieder ein Stück nähergekommen. Die wichtigsten Schaffhauser Gegner wurden eliminiert. Der Tourismusdirektor, die zuständige Regierungsrätin und der Leiter des Tiefbauamtes. Ein Dank an Nummer acht für diese Inszenierung auf dem Munot.» Sie machte eine Kunstpause, denn die restlichen «Engel» klopften mit der Faust auf den Tisch. «Ruhe», brüllte Nummer elf wieder. «Danke», sagte Dreizehn und holte Luft. «Somit scheint ein klares Statement abgegeben zu sein, dass sich diesem Projekt niemand in die Quere stellen soll.» «Und was ist mit diesem Schaffhauser Kommissar und seiner Kollegin?», fragte Nummer drei. «Ja, die fangen an herumzuschnüffeln und der Kommissar ist ja ein engagierter Verfechter der Autobahn durch sein geliebtes Klettgau», ergänzte Nummer sieben. «Ruhe», brüllte Nummer elf wieder und klopfte energisch mit dem Holzhammer auf den Tisch. «Das wollte ich mit euch besprechen», sagte Dreizehn mit besänftigender Stimme. «Wer möchte sich denn um die Beiden kümmern?» Schweigen im Raum. Dann ein ruckeln, einer der schweren Holzstühle schob sich ächzend über den Holzboden und Nummer elf stand auf, haute mit dem Hammer auf den Tisch und sagte mit lauter Stimme: «Ich. Ich persönlich werde mich um die Beiden kümmern.» Und nochmals schlug er mit dem Hammer auf den Tisch, fast so als wolle er sein Statement wie ein Richter besiegeln. Die anderen Anwesenden klopften Anerkennend mit den Knöcheln auf den Tisch. «Fein», meinte Nummer 13, «dann wäre das ja geklärt und wir kommen unserem Ziel immer näher. Die Volksabstimmung von Ende Monat werden wir erfolgreich zu unseren Gunsten manipulieren. Stimmt’s, Nummer fünf?» Dreizehn hob ihren Kopf in Richtung der Fünf. Dabei fiel das fahle Licht unter ihre Kapuze und man konnte den knallroten Lippenstift auf Ihren Lippen aufblitzen sehen. Fünf antwortete mit einem einfachen, aber klaren «ja, alles vorbereitet für die Manipulation zu unseren Gunsten». «Fein», hauchte Nummer dreizehn erneut. «Dann steht unserem Vorhaben ja nichts mehr im Weg.» Sie klopfte mit der Faust auf den Tisch und sagte: «Licht und Freiheit», stand auf und verliess als Erste den Raum. «Licht und Freiheit», riefen die anderen der Runde im Chor. Im Abstand von zehn Minuten folgten die restlichen Mitglieder der «FLYING ANGELS» im immer gleichen Ritual und entschwanden über verschiedene Routen den Staufferbärg. Nummer dreizehn war bereits unten in Siblingen angelangt, als die nächsten Engel die Waldhütte verliessen. Die violette Sonderlackierung des Audi RS e-tron GT war nicht zu übersehen, als dieser praktisch geräuschlos über die Felder via Gächlingen und dann weiter in Richtung Neunkirch und dann weiter Richtung Trasadingen gleitete. Kurz nach dem Bahnhof Wilchingen-Hallau bog der Audi ab und fuhr auf den Platz vom Kieswerk Hugentobler. Stoppte abrupt, denn neben dem Eingang des Betriebsgebäudes stand der Tesla von Fabienne Pfammatter mit dem aufgesetzten Blaulicht auf dem Dach. Nummer dreizehn tippte nervös mit den rot lackierten Fingernägeln auf das Lenkrad, setzte den E-Tron wieder in Bewegung und fuhr hinter das Gebäude in die grosse Lastwagenhalle. Sie entsicherte ihren purpurnen Umhang, faltete ihn vorsichtig zusammen und verstaute diesen unter ihrem Sitz so gut es ging. Dann tippte sie mit ihren schwarzen Christian Louboutin Stilettos «So Kate» mit der roten Sohle auf das Gaspedal und der Audi rollte auf der anderen Seite der Garage wieder auf den Vorplatz. Sie parkte diesen auf den mit «Direktion» markierten Parkplatz. Sie öffnete die Türe und schwang ihre Beine aus dem Auto und stieg aus. Sabine Hugentobler, wie Nummer dreizehn offiziell hiess, war gross, elegant und ein ehemaliges Model bevor sie die Firma von ihrem Vater übernahm. Die kühle Luft blies durch ihre langen, schwarzen Haare. Sie trug ein Minikleid aus Crêpe von Dion Lee und sah von weitem aus wie eine Smoking Jacke. Dazu hielt sie in ihrer linken Hand eine Square Trunk Schultertasche aus Eidechsenleder von Hunting Season und silberfarbene Ohrringe mit Kristallen von Isabel Marant. Sie stöckelte über den Platz in Richtung Betriebsgebäude und betrat das neu gestaltete Entrée des ältesten und bedeutendsten Unternehmens als Baudienstleister im Bereich Kies & Beton sowie Erdbau des Kantons Schaffhausen. Die automatischen Schiebetüren öffnete sich, sie betrat den Raum und die Dame am Empfang begrüsste freundlich ihre Chefin. «Im Sitzungszimmer warten zwei Herrschaften von der Schaffhauser Kantonspolizei», sagte sie gleich mit aufgeregter Stimme und zeigte mit der Hand in Richtung Besprechungsraum. Sabine Hugentobler nickte stumm und lief zielstrebig auf die verschlossene Türe zu. Vor dem Öffnen blieb Sie kurz stehen, holte die Luft, drückte die Klinke nach unten, setzte ein Lächeln auf und betrat den Raum. Hein, der etwas gelangweilt zum Fenster hinausblickte drehte sich auf dem Absatz um. Er verlor beim Anblick Hugentoblers kurz die Fassung. Versuchte aber sich nichts anmerken zu lassen. Er merkte wie diese Frau ihm das Blut in Wallung brachte. Fabienne Pfammatter indes interessierte das Aussehen dieser Frau in keinster Weise, streckte ihr die Hand entgegen, denn sie stand direkt neben der Türe. «Fabienne Pfammatter, Kripo Schaffhausen und das ist mein Kollege Reto Hein.» Die beiden Frauen gaben sich die Hand und schauten sich dabei tief in die Augen. Es war als wären zwei Furien aufeinander getroffen, denn offensichtlich konnten sich die beiden von Beginn an nicht leiden. «Kaffee», fragte Sabine Hugentobler mehr aus reiner Höflichkeit und hoffte insgeheim auf ein Nein. «Sehr gerne», meldete sich Hein wie aus der Pistole geschossen und grinste die Kieswerk Chefin verschmitzt an.

Reto Hein war durchaus für seine fünfundfünfzig Jahre ein attraktiver Mann. Charismatisch, mit Ecken und Kanten, aber er hatte ein gewisses Etwas. Das bemerkte auch Sabine Hugentobler und war von der Erscheinung Heins sehr angetan. Sie versuchte dies jedoch zu überspielen und wich seinen Blicken aus. «Wie kann ich helfen», fragte Hugentobler um das Eis zu brechen. «Was führt sie zu mir?», tat sie scheinheilig? «Nun», entgegnete Pfammatter mit ihrem breiten Walliser Dialekt, «nun, Frau Hugentobler es ist ja allgemein bekannt, dass sie eine energische Befürworterin des Baus der Hochrhein-Bodensee Autobahn A98 durchs Klettgau mit Anschluss in die A4 sowie des Endausbaus der A4 bis zum Zusammenschluss der deutschen A81 sind.» «Ja und?», fiel ihr Sabine Hugentobler ins Wort. «Ist das verboten?», fragte sie weiter. «Nein», antwortete jetzt Reto Hein und weiter: «Das ist ihr gutes Recht. Aber es treten aktuell gewisse Ungereimtheiten und Ereignisse auf, welche uns stutzig machen.» Hugentobler scharrte verlegen mit den Füssen, als Hein sie sehr direkt anblickte und merkte wie sie leicht errötete. «Und das heisst konkret was?», fragte sie schüchtern. «Konkret heisst das», Fabienne Pfammatter ergriff wieder das Wort, nachdem sie merkte dass die beiden auf Flirtkurs waren, «dass wir gerne wissen möchten wo sie gestern Abend zwischen zwanzig und zirka 23 Uhr sowie am Wochenende waren.» Pfammatter ging auf die sitzende Hugentobler zu und kam immer näher. Reto Hein flötete: «Es geht nur um eine Abklärung.» Pfammatter verdrehte die Augen in Richtung ihres Kollegen und rückte sich selber zurecht. «Meine Sekretärin wird ihnen die Antworten aus meinem Terminkalender geben. Wars das?», fragte Hugentobler. «Fürs Erste», zischte Fabienne und dreht auf dem Absatz um, lief schnurstracks zur Türe, über den Flur zum Empfang und liess sich die gewünschten Informationen geben. Hugentobler griff in ihre Square Trunk Handtasche, zog eine Visitenkarte heraus, kritzelte mit einem Kugelschreiber auf dem Tisch etwas darauf und streckte Hein zur Verabschiedung die Hand mit der Visitenkarte entgegen. Hein entgegnete, griff sich die Visitenkarte. Sie verabschiedeten sich und die beiden Kommissare verliessen das Gebäude über den Parkplatz zu Pfammatters Tesla. Sabine Hugentobler trat ans Fenster. Die Jalousien waren unten und nur halb geöffnet, so dass sie durch die Schlitze auf den Parkplatz spähen konnte und schaute den beiden Beamten nach und musste schmunzeln. Dann griff sie nochmals in ihre Handtasche, zückte ihr iPhone, öffnete die Kontakte und wählte unter den Favoriten die Zahl 11. Es klingelte ein Mal. «Ja,», antwortete elf. «Die Kommissare fahren soeben von meinem Platz.» Und jedes weitere Wort legte sie auf, zupfte ihr Dion Lee Kleid zurecht und stöckelte in ihr Büro am Ende des Flures und schloss die Türe hinter sich zu.

Einsatz für Pfammatter und Hein im Klettgau

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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