EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 9

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JAGDFIEBER

Der Tesla von Fabienne Pfammatter glitt ruhig über den Vorplatz des Kieswerkes der Firma Hugentobler beim Bahnhof in Wilchingen-Hallau, setzte auf die Strasse, fuhr durch den Kreisverkehr unter der Bahnlinie und blinkte sich in die Hauptstrasse in Richtung Schaffhausen ein. Pfammatter kochte innerlich vor Wut. «Was sollte das eben, Reto?», fragte sie zynisch ihren Kollegen. Hein grinste sie vom Beifahrersitz aus an und stellte sich dumm. «Was meinst du?», grinste er sie an. Fabienne geriet in Rage und wurde lauter. «Du hast mich überhaupt nicht unterstützt, im Gegenteil, hast die feine Dame mit Samthandschuhen angefasst. Man könnte fast meinen du stehst auf sie!» Sie beschleunigte den Tesla auf achtzig Stundenkilometer. «Ich?», sagte Hein verlegen. «I wo.» Er musste sich das Grinsen verkneifen und schaute deshalb aus dem Fenster auf seiner Seite. Er musste sich selber eingestehen, dass ihn Sabine Hugentobler so ziemlich aus der Fassung gebracht hat und innerlich ärgerte es ihn, dass er die Professionalität nicht wahren konnte. Just in dem Moment, als Fabienne Pfammatters Tesla beim Abzweiger nach Wilchingen vorbeifuhr, bog hinter ihr ein Gefährt mit Seltenheitswert in die Strasse ein. Ein Renntruck. Am Steuer sass Nummer elf. Er lenkte den schnellsten Truck der Welt mit 2400 PS auf die Hauptstrasse und trat aufs Gaspedal. Der Volvo Iron Knight wurde extra für den Weltrekord präpariert. Der verbaute 12,8 Liter grosse D13-Reihensechszylinder mit einem wassergekühlten Ladeluftkühler sowie vier Turboladern bringen den Truck auf sagenhafte 276 Stundenkilometer Spitze. Schnell holte der Truck zum Tesla auf. Ehe Fabienne Pfammatter sichs versah, hatte sie das Monster direkt hinter ihrem Heck und im Rückspiegel sah sie nur noch schwarz. Sie erschrak. «Was ist da los, Hein?», schrie sie ihren Beifahrer an und drückte ebenfalls aufs Gaspedal. Die Elektromotoren brachten nun die volle Leistung auf die Strasse. Die beiden Ermittler wurden in ihre Sitze gedrückt und konnten gegenüber dem Renntruck wieder Abstand gewinnen. Doch dieser Abstand währte nicht lange, denn Nummer elf holte nun alles aus dem Volvo, was dieser zu bieten hatte. So jagten Tesla und Truck auf Neunkirch zu. Pfammatter ergriff ihr Blaulicht, öffnete bei Tempo einhundertfünfzig ihr Seitenfenster und heftete dieses mit dem Magneten aufs Dach. Hein drückte den Knopf für die Sirene umso wenigstens die anderen Verkehrsteilnehmer zu warnen. Er griff zu seinem Handy, wählte eine Nummer und forderte Verstärkung an. Der Renntruck kam wieder näher und näher. Die ersten Häuser von Neunkirch waren in Sicht und Pfammatter musste wohl oder übel die Geschwindigkeit verringern. In diesem Moment gab es einen Rums und der Truck fuhr auf den Tesla auf. Pfammatter drückte wieder aufs Gas und musste nun in die S-Kurve «grosser Letten». Sie schlingerte, konnte den Tesla aber wieder abfangen. Auch der Truck kam ins Schlingern, doch Nummer elf fing auch sein Gefährt sicher ab und slidete um die Kurve. Dabei touchierte er ein entgegenkommendes Fahrzeug, welches in die Wiese geschleudert wurde. Pfammatter klemmte sich am Steuer fest und betete, dass am Neunkircher Kreisverkehr möglichst kein Verkehr war. Prompt war vor ihr ein Fahrzeug. Sie wich auf die Gegenfahrbahn aus und überholte. Sie fuhr auf der falschen Seite durch den Kreisverkehr. Der Volvo Truck tat dasselbe. Kurz nach Verlassen des Kreisverkehrs trat sie wieder aufs Gas. Die Tri Motor-Allradplattform beschleunigte den Tesla innerhalb von eineinhalb Sekunden auf einhundert Stundenkilometer. Hein verkeilte sich auf dem Beifahrersitz und blickte über die Schulter zurück. Der Truck blies eine schwarze Rauchwolke aus dem Auspuffrohr als der Fahrer das Geschoss ebenfalls beschleunigte.

Einhundertzwanzig, einhundertvierzig. Hein wusste, dass Pfammatter in Kürze wieder voll auf die Bremse musste. Die Ifang-Kurve. Fabienne bremste scharf ab und fuhr die erste Kurve. Der Truck kam im Rückspiegel wieder schnell näher. «Gas», schrie Hein «und geradeaus.» «Sicher?», fragte Pfammatter. «Ja, los.» Sie fuhr also geradeaus weiter und bog nicht in die Linkskurve auf der Hauptstrasse ab, sondern fuhr gradewegs in Ergoltingertal. Rasch beschleunigte sie den Tesla wieder auf über einhundert Stundenkilometer, dicht gefolgt vom Renntruck. Sie bretterten die enge Strasse immer weiter Tal einwärts. Hein informierte per Handy seine Kollegen und informierte sie über seinen Plan. Auf der Höhe vom Tänggibuck holte der Truck immer weiter auf. Pfammatter musste hart auf die Bremse vor der Kurve «Tänggibuck».  Und wieder krachte der Truck in ihr Heck. Geschickt fing sie den Aufprall ab und beschleunigte in der lang gezogenen Kurve. Der 12,8 Liter Motor des Volvo Trucks heulte auf, Nummer elf zog nach. Hein wusste, dass noch eine enge Rechtskurve folgte, ehe sie zur Grenze kamen. Die beiden Fahrzeuge bretterten immer weiter durch den Wald den Laufferbärg hoch. Dicht an dicht. Fabienne Pfammatter holte alles aus ihrem demolierten Tesla raus. Sie konnte einen Vorsprung von ungefähr 50 Meter ausbauen und raste auf die Grenze zu. «Und jetzt», sagte sie zu Reto Hein. Scharf links. «Sicher?» «Sicher!» Hein kannte zum Glück diesen Abschnitt vom Biken. «Aber Vorsicht», mahnte er, «die Strasse wird noch enger». Er zählte rückwärts: «Drei, zwei, eins. Jetzt links». Fabienne riss das Steuer ihres Teslas nach links und bretterte über eine, gerade noch knapp Fahrzeug breite, Forststrasse wieder talwärts durch den Frankengraben. Der Racetruck hinter ihr slidete über die Waldkreuzung und touchierte dabei einen Stapel Holz. Die Wucht des Aufpralls liess die Seitenabdeckung des Trucks zersplittern und die Baumstämme gerieten ins Rollen. Unbeirrt drückte Nummer elf wieder auf die Tube und sah in seinem Rückspiegel wie die Stämme sich quer über die Kreuzung verteilten.

 

In vollem Karacho bretterten die beiden Fahrzeug weiter den Berg hinunter in Richtung Jestetten. Hein wählte eine Nummer. Die deutschen Kollegen vom Grenzschutz meldeten sich. Er versuchte in knappen Worten die Situation zu erklären. «Verstanden», sagte die Stimme am anderen Telefon. Der Truck machte wieder Boden gut und verringerte den Abstand zu Pfammatters Tesla Meter für Meter. Verzweifelt schaute Fabienne auf die Batterieanzeige, welche langsam aber sicher immer weiter in Richtung Re-Charge ging. Noch zwei Striche. «Reto, wir brauchen eine Idee». «Hab ich», entgegnete er prompt. Die ersten Häuser von Jestetten tauchten auf und der Truck war nur noch wenige Meter hinter ihnen. Sie bretterte rein ins Dorf. Die Kollegen vom Grenzschutz sperrten Zufahrten und Kreuzungen ab, damit sie freie Fahrt durch das Dorf hatten. Heins iPhone klingelte. Er nahm das Gespräch an. «Hauptstrasse sperren. Danach fahren wir scharf links in die Altenburger Strasse und dann weiter Richtung Altenburg. Wir versuchen ihn auf freiem Feld zu stoppen.» Er legte auf. Mit Tempo einhundert unterquerte der Tesla die Bahnlinie. Dicht gefolgt vom Volvo Truck. «Achtung. Gleich scharf links», ermahnte Hein. Fabienne nickte still. Hochkonzentriert trat sie nach wenigen Meter voll auf die Bremse, packte die Linkskurve und trat sofort wieder aufs Gaspedal. Der Truck schoss hinterher, die Reifen quietschten und qualmten. Nummer elf trat ebenfalls wieder aufs Gas. Wieder heulte der schwere Motor auf. Der Grenzschutz versuchte so gut wie es ging in dieser kurzen Zeit die Altenburgerstrasse zu räumen. Geparkte Autos am Strassenrand machten dieses Unterfangen aber mehr als schwierig. In Schlangenlinien musste sich Pfammatter durch die Quartierstrasse den Weg erkämpfen. Der breite Renntruck machte keine halben Sachen. Immer wieder touchierte er geparkte Fahrzeuge und schob diese wie Spielzeugautos ineinander und hinterliess eine Spur der Verwüstung. Plötzlich verengte sich die Strasse, Fabienne bremste aus und der Truck fuhr ein drittes Mal in ihr Heck. Die Heckscheibe des Teslas zerbarst in tausend Stücke. Nochmals trat sie auf Gas. Noch einen Strich auf der Batterieanzeige. «Hein», brüllte sie, «lange geht’s nicht mehr.» «Halt durch», sagte er mit sanfter Stimme. Gleich haben wir’s geschafft. Auf dem freien Feld zwischen Jestetten Dorf und Jestetten Altenburg haben sich die Kollegen der Kantonspolizei Schaffhausen und der Grenzwache versammelt und auf Höhe des Weilers Löhr eine improvisierte Strassensperre errichtet. Wieder nur gerade einmal zehn Meter Distanz zwischen Tesla und Truck. Mit Tempo einhundertvierzig bretterten die beiden Fahrzeuge auf die Sperre zu. «Jetzt gilt’s ernst», sagte Hein. Der Tesla bremste kurz davor ab, fuhr scharf rechts in eine Nebenstrasse und Fabienne trat voll auf die Bremse. Nummer elf sah die Blockade, welche mit zwei Polizeiautos aufgebaut wurde, schaltete das Getriebe runter und trat nochmals ins Pedal. Der 2400 PS Koloss heulte wieder auf und beschleunigte. Mit einem riesen Knall, gefolgt von einer Explosion fuhr der Renntruck die beiden Polizeifahrzeuge zu Schrott. Die Fahrerkabine des Volvos wurde arg in Mittleidenschaft gezogen, doch Nummer elf blieb unbeirrt auf dem Gaspedal stehen. Die Polizisten und der Grenzschutz eröffneten das Feuer und gaben mehrere Schüsse auf das nun flüchtige Fahrzeug ab. Dabei durchbohrte eine Kugel einen der beiden Zwillingsreifen an der linken, hinteren Achse und eine Kugel den Benzintank, so dass Treibstoff auslief. Hein reagierte prompt. Stieg aus dem Tesla, rannt zu einem der herumstehenden Fahrzeuge der Grenzwache, setzte sich ans Steuer, startete den Motor, fuhr zum Tesla, stoppte, gab Fabienne ein Handzeichen zum Einsteigen und fuhr mit quietschenden Reifen dem Truck hinterher. Dieser hatte einen Vorsprung von über einhundert Metern. Hein folgte der Benzinspur. In Altenburg bog diese rechts ab in Richtung Nohl. Reto Hein versuchte alles aus dem VW Kastenwagen herauszuholen. Sie waren gerade am Dorfausgang, als der Truck über die Neuhauser Strasse in Richtung Nohl einbog. Mit über einhundertsechzig Stundenkilometern fuhren sie dem Volvo hinterher. Die Beute wurde zum Jäger. Die Spur führte weiter in Richtung Rheinfall. Auf der Höhe des grossen Parkplatzes zerfetzte der vom Schuss defekte Reifen auch den anderen intakten Reifen und der Renntruck begann zu schlingern. Trotzdem gab der Fahrer weiter Gas. Schlingernd fuhr er die Nohlstrasse weiter Richtung Neuhausen. Hein konnte Boden gutmachen. Der Renntruck rauschte vorbei am nächsten Parkplatz und wieder gab Nummer elf weiter Gas. Wieder schlingerte der Truck gefährlich, doch der Fahrer konnte ihn erneut abfangen. Wieder Gas. Doch dann, an der Kreuzung zur Abfahrt zum Rheinfall, brach der Truck erneut aus. Das Heck scherte nach links aus. Nummer elf versuchte Gegensteuer zu geben. Vergebens. Der Truck war zu schnell und begann sich im Uhrzeigersinn zu drehen. Einmal um die eigene Achse. Hein und Pfammatter, welche gerad angefahren kamen, sahen nun dem Fahrer direkt ins Gesicht. Der Truck drehte sich weiter um die eigene Achse. Dann ging alles rasend schnell. Er durchbrach den Zaun mit dem Heck, wieder eine halbe Drehung und dann stürzte das Gefährt mit der Kabine voran die steile Böschung hinunter. Schlug auf dem Fussgängerweg auf, blieb kurz stehen und kippte danach seitlich rollend weiter den Abhang hinunter. Ein dumpfer Knall und der Renntruck blieb auf dem Dach vom Restaurant Park am Rheinfall liegen. Sofort entzündete sich der hochexplosive Spezialtreibstoff. Lichterloh brannte der Volvo. Hein und Pfammatter parkten den VW Bus, rannten zur Böschung und blickten hinunter auf das Desaster. Genau in diesem Moment schoss ein Feuerball in die Höhe, gefolgt von einer lauten Detonation. Der Renntruck explodierte mit samt dem Fahrer. «Scheisse», fluchte Hein und rief die Feuerwehr.

Macht Jagd auf Pfammatter und Hein. Nummer 11 mit dem schnellsten Renntruck der Welt: Volvo Iron Night.

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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