EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 11

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AUF EIGENE FAUST

Reto Hein schreckte aus seinem Dämmerschlaf auf. Er lag nackt auf dem grossen, violetten Cultsofa «Cloud 7» von Bretz. Der spürte den samtweichen Stoff auf seiner Haut. Er brauchte einen Moment, bevor er realisierte wo er war. Er drehte seinen Kopf nach rechts. Er rieb sich die Augen. Neben ihm lag sie engelsgleich: Sabine Hugentobler. Auch sie war splitterfasernackt. Rund um das Sofa in ihrem Büro sah es aus, als ob eine Party sondergleichen stattgefunden hätte. Ihre Kleider lagen verstreut über den Boden. Zwei leere Pizzaschachteln und mehrere Weinflaschen mit zwei Gläsern standen auf dem Beistelltischchen vor ihm. Darin lagen noch ein paar restliche Pizzastücke. Heins Schädel brummte. Seinen Hund, welchen er irgendwann noch aus seinem Land Rover geholt hatte, lag zusammengerollt in einer Ecke. Er hob kurz den Kopf, schaute zu seinem Meister und legte sich dann auf die Seite um weiterzuschlafen. Der Kommissar schaute auf seine IWC am Handgelenk. Er trug am Selbigen noch seine Diensthandschellen. Verschlossen. Der Blick auf die Uhr verriet ihm: Fünfuhrdreissig. «Scheisse», schoss es ihm durch den Kopf. Er wollte laut fluchen, biss sich aber auf die Lippen. «Fuck. Fuck. Fuck», schoss es ihm durch den Kopf. Er erhob sich ganz leise, suchte seine Kleider zusammen und zog sich ganz behändig an. Er gab seinem Hund mit einem leisen Schnalzen ein Zeichen und schlich in Socken zur Türe. So leise wie nur möglich schloss er die Türe hinter sich, tapste weiter ohne Schuhe zur Eingangstüre, drehte den Knauf, öffnete die Türe und holte mit einem tiefen Atemzug frische Luft. «Bisi mache», sagte er zu seinem, neben ihm stehenden, Hund. Dieser trottete die Treppe hinunter, lief zu einem grossen Granitbrocken, hob sein Bein und machte brav sein Geschäft. Hein zog sich zwischenzeitlich die Schuhe an, taumelte, sich am Geländer haltend, ebenfalls die Treppe hinunter und tat seinem Vierbeiner gleich. «Aaaahhhh», liess er seiner Erlösung Kund. Er schloss die Hosen, kramte in seinen Taschen nach dem Autoschlüssel und stolperte in Richtung seines Fahrzeuges. «Komm», rief er dem wartenden Hund zu. Er öffnete die Hecktür, liess ihn einsteigen, schloss diese so leise wie möglich wieder und setzte sich in seinen Defender. Nachdem die Fahrertüre zu war schrie er laut: «Scheiiiiiiiisssssseeeeeee!» Er hämmerte mit der Faust auf das Armaturenbrett, steckte den Schlüssel ins Zündschloss, startete den Dieselmotor und rollte ohne Licht vom Hof des Kieswerks in Richtung Ausfahrt. Auf der Strasse schaltete er das Licht an und fuhr in den frühen Morgen. Doch er kam nicht weit, denn er merkte selber, dass er alles andere als fahrtüchtig war. Kurz vor Neunkirch lenkte Hein den Land Rover rechts von der Hauptstrasse weg in einen Feldweg und fuhr bis zum Waldrand. Er parkte so gut es ging den Wagen, schaltete den Motor aus, liess die Rücklehne nach hinten klappen, schloss mit der Zentralverriegelung alle Türen und dann die Augen. Er konnte nicht auf zehn zählen war er im Tiefschlaf.

 

Etwa zur gleichen Zeit wachte Fabienne Pfammatter in ihrer Wohnung in der Schaffhauser Altstadt auf. Sie hatte, durch die Ereignisse vom Vortag, schlecht geschlafen und wachte nachts immer wieder auf. Die Bilder der Verfolgungsjagd kreisten vor ihrem geistigen Auge. Auch der spektakuläre Unfall des Renntrucks und der damit verbundene Brand. Sie schälte sich mit leicht verquollenen Augen aus dem Bett. Stellte zuerst ihre Füsse auf den Boden, richtete ihren Oberkörper auf ihrem Hülsta Boxspringbett auf, zupfte ihr Schlafshirt zurecht und stand auf. Sie schlurfte in die Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein. Dann drückte sie den «ON» Knopf des Radios und schaute aus dem Fenster auf den Munot in der Dämmerung. Sie wartete bis sie eine Kaffeekapsel in die Maschine einfügen konnte und drückte auf Start. Während dem der Kaffee in die Tasse plätscherte wurde es sechs Uhr morgens. Radio Munot brachte Nachrichten. Und an erster Stelle kam die Meldung über den Unfall in Neuhausen. Bereits wurde auch über den zu Tode gekommenen Fahrer spekuliert, denn der Truck war auf die Schaffhauser Asphalt AG eingelöst und der Inhaber Max Schweizer war bekannt als ein begeisterter Rennsportfan. Pfammatter wusste, dass die Schaffhauser Polizei noch keine bestätigenden Angaben über den Fahrer gemacht hatte. Sie schlürfte ihren Kaffee und begab sich ins Bad. Sie schnappte sich ihr iPhone beim Vorbeigehen und checkte mit einer Hand ihre Mails und prüfte allfällige Textnachrichten. Nichts. Sie wählte Heins Nummer. Sofort kam die Sprachansage. Sie legte wieder auf, zuckte mit den Schultern und stellte die Tasse und ihr Handy auf den Spülkasten der Toilette, zog ihr T-Shirt und ihren Slip aus und hüpfte unter die Dusche. Auch Fabienne gab ein zufriedenes «aaaaahhhhhhhh» von sich. Das warme Wasser auf ihrer Haut tat gut. Sie hielt ihren Kopf sehr lange unter den Strahl und überlegte, was die nächsten Schritte in Punkto Ermittlung sein könnten.  

 

Es war wohl gegen kurz vor acht Uhr morgens, als die nackte Sabine Hugentobler aufwachte. Auch Sie musste sich zuerst etwas sammeln und überblickte leicht schmunzelnd die Situation in ihrem Büro. Sie kramte ihre Kleider zusammen, zog sich an und richtete sich halbwegs zurecht. Sie packte die Weinflaschen und die Pizzakartons in einen Müllbeutel. Ihre Handtasche packte sie beim Vorübergehen vom Sofa und verliess mit leicht gesenktem Kopf ihr Büro. In der Hoffnung niemandem zu begegnen. Zielstrebig steuerte sie den Abfallcontainer auf der hinteren Seite des Hauses an und entsorgte die Überresten der letzten Nacht mit Kommissar Reto Hein. Sein Eau de Toilette haftete noch an ihr. Wohl auch an ihren Haaren, denn bei jedem zweiten Schritt roch sie seine Nähe. Sie fasste mit der linken Hand eine Strähne und drückte sie unter ihre Nase. Bewusst nahm sie einen tiefen Atemzug. Es kribbelte am ganzen Körper. Sie lachte und ging zurück über den Vorplatz zu ihrem Wagen, stieg ein und flitzte vom Firmengelände in Richtung Siblingen, wo sie ganz oben an der Burghaldenstrasse ein Haus ihr eigen nannte. Von da aus überblickte sie praktisch das ganze Klettgau. Zu Hause angekommen schlüpfte sie als allererstes aus ihren Kleidern und sprang unter die Regendusche. Ihre Gedanken kreisten dabei um Max Schweizer, denn in den Nachrichten hörte sie zum ersten Mal von dem Unfall mit dem Renntruck. Sie war wütend und verzweifelt zugleich. «Scheisseeeeeeeee», schrie sie in den herabstürzenden Wasserstrahl und drehte die Wassertemperatur auf kalt. Sie spürte das kalte Nass auf ihrer Haut. Es bildete sich eine Gänsehaut, aber sie blieb stur stehen. Sie überlegte sich, was als nächstes zu tun wäre und wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen. Ihr Handy klingelte auf der Ablage neben dem Waschbecken. Nummer 10 war auf dem Display zu lesen.   

 

Während Hein nach wie vor in seinem Land Rover den Schlaf der Gerechten schlief, machte sich Fabienne Pfammatter auf ins Gewerbegebiet Mutzentäli in Schaffhausen. Ihr Ziel: Die Schaffhauser Asphalt AG. Da sie ihren Kollegen per Telefon zum wiederholten Mal nicht erreichen konnte und ihr Tesla nicht mehr fahrtauglich war, hatte sie sich einen zivilen Dienstwagen geliehen und fuhr nun auf eigene Faust mit dem dunkelblauen BMW auf das weitläufige Firmengelände. Sie parkte etwas abseits und beobachtete zuerst eine ganze Weile mit einem Fernglas das Geschehen. Besonders eine Garage von einem etwas abgelegenem Gebäude stach ihr ins Auge, denn davor schien eine Art Security Posten zu patrouillieren. Sie verliess so unauffällig sie konnte ihr Fahrzeug und schlich sich an herumstehenden Maschinen und Gerätschaften vorbei in geduckter Haltung. Die rechte Hand hielt sie dabei griffbereit an ihr Pistolenhalfter. Meter für Meter schlich sie sich in Richtung Garage. Nach einem kurzen Sprint über offenen Gelände duckte sie sich hinter einer Teermaschine wieder in Deckung. Plötzlich spürte sie einen harten Schlag im Genick. Es wurde dunkel. Als sie wieder zu sich kam, sass sie geknebelt und an einen Stuhl gefesselt in einem, nach Teer und Öl stinkenden, kleinen engen Raum. Wohl in einem Keller, denn nur gerade eine kleine Luke warf etwas Tageslicht in den Raum, so dass sie nur Umrisse der Umgebung zu erkennen vermag. Sie fing an sich zu bewegen und zerrte an ihren Fesseln. Sie bewegte sich hin und her und wackelte mit dem Stuhl so fest, dass dieser nach einer Weile zur Seite kippte. Mit ihr. Ein dumpfer Aufschlag, sie schrie auf als sie sich dabei eine Rippe brach. Stechender Schmerz durchfuhr sie bei jedem Atemzug und plötzlich hatte sie auf ihrer Zunge einen metallischen Geschmack. Blut. Ihr Blut. Sie schrie wieder auf. Dann wurde es wieder dunkel um sie. Sie lag bewusstlos und gefesselt am Boden.

 

FORTSETZUNG FOLGT...

Was für seltsame Dinge geschehen in den Schaffhauser Kiesgruben?

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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