EIN RHEINER MORDS-FALL - KAPITEL 13

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ES WIRD ZEIT

Es herrschte eine grosse Betroffenheit in der Waldhütte «zum Staffehau». Die «FLYING ANGELS» mussten schmerzlich den Hinschied ihres Mitgliedes Nummer elf hinnehmen. Sabine Hugentobler, welche wie die anderen Mitglieder die Kapuze nicht hochgeklappt hatte, sprach ein paar tröstende Worte in die Runde. Gefolgt von einer Schweigeminute. «Nun denn», sagte sie abschliessend, «der Tod von Nummer elf soll nicht umsonst gewesen sein. Wir werden unseren Weg unbeirrt weiter gehen.» Die «FLYING ANGELS» klopften anerkennend auf den Holztisch. Es meldete sich nun Nummer zwölf zu Wort: «Die Vorbereitungen für die Abstimmung sind eingeleitet. Wir können das Resultat aufgrund des systemischen Eingriffes so manipulieren, dass die abgegebenen Stimmen das Endergebnis auf jeden Fall, für uns positiv, erscheinen lassen.» Die Flying Angels klopften wieder anerkennend auf den Holztisch. Hugentobler schaute zufrieden in die Runde. «Diese Milliardenaufträge lassen wir uns nicht durch die Lappen gehen», fügte sie mit einem süffisanten Lächeln hinzu und ergänzte: «Wir müssen jetzt positiv nach vorne schauen, wir sind auf der Zielgeraden und lassen uns von niemandem aufhalten. Auch nicht von zwei übereifrigen Polizisten, gell Herbert?» Sie schaute fragend zum Schaffhauser Polizeikommandanten, dieser schaute etwas beschämt nach unten auf den Holztisch, nickte aber stumm vor sich hin.

Reto Hein hatte sich in der Zwischenzeit an die Hütte herangepirscht und versuchte sich so unsichtbar wie möglich zu halten. Er nutzte jede Deckung aus und robbte die letzten Meter. Er zwängte sich auf der Hinterseite des Waldhauses zwischen zwei, aussen angebrachte, Metallschränke. Es roch nach Propangas und nach Benzin. Im linken war die Gasflasche plus eine Reserveflasche für den Herd in der Hütte und im rechten lagerten eine Motorsäge mit einem Reservekanister sowie diverse Waldarbeiter Werkzeuge. Er drückte sich mit dem Rücken zur Wand nach oben, bis er schliesslich genau zwischen den beiden Schränken aufrecht stand. Die Fensterläden der Fenster rund um die Hütte waren alle geschlossen. Beim Fenster direkt neben ihm allerdings war der hölzerne Laden auf der linken Seite unten von der Verwitterung bereits abgebrochen und ein handgrosses Stück fehlte. Er zückte sein iPhone, schaltete die Kamera ein und switchte auf den Video Modus. Im Raum hinter dem Fenster sass die Gruppe und diskutierte. Hein versuchte das Handy so wenig wie möglich in das Sichtfeld zu bringen und drückte auf Aufnahme. Im Display sah er die Personen am Tisch. Er drehte sein Handgelenk um den Blickwinkel zu ändern. Dann erspähte er Sabine Hugentobler. Er bekam Herzklopfen, hielt aber weiter drauf. «Kein Ton, shit», dachte er und zoomte näher. Er hielt drauf und schwenkte, nachdem sie mit reden fertig war, auf die anderen Personen. Dann kam sein Chef ins Bild. Wieder hielt der Kommissar drauf als dieser an der Reihe war mit sprechen. Dann hatte er genug. Er schaltete die Aufnahme aus, versorgte sein Telefon, ging wieder in die Hocke und schlich sich auf demselben Weg zurück zu seinem Defender. Hein rutschte auf seinem Fahrersitz soweit wie es nur ging nach unten und duckte sich. Er sichtete das soeben gemachte Video in aller Ruhe und versuchte die Köpfe zu erkennen. Dann öffnete er Whats App und sendete das Video an eine gespeicherte Nummer.

 

Kaum versendet vibrierte es. Eine Schaffhauser Nummer. Hein swipte mit seinem Zeigfinger und meldete sich: «Hein!» Eine Stimme sprach auf ihn ein, er nickte und gab zwischendurch nur zögerliche «hm» und «aha» Laute von sich. «Danke», sagte er noch und legte auf. Es war das Kantonsspital Schaffhausen, welches ihn über den Zustand seiner Kollegin informierte. Pfammatter wurde in einem desolaten Zustand eingeliefert und liegt noch immer im OP. Hein machte sich Sorgen um Fabienne. Er startete seinen Dieselmotor, legte den Rückwärtsgang ein und ruckelte langsam über den Waldboden zurück zum Weg. Gedankenversunken war er im Spital. Er schaute in seinen rechten Rückspiegel und schlug das Lenkrad voll nach links ein. Es hupte. Hein wurde aus seinen Gedanken gerissen, trat voll auf die Bremse, blickte aus dem Fahrerfenster nach links und schaute direkt in die Augen von Sabine Hugentobler. Sofort schaltete er den Motor aus, Griff zu seiner Dienstwaffe und sprang aus dem Land Rover. Hugentobler legte instinktiv den Rückwärtsgang ein und beschleunigte ihren Audi RS e-tron GT. Hein hechtete in ihre Richtung und gab einen Warnschuss in die Luft ab. Die kesse Kieswerkchefin ignorierte diesen, blieb weiter mit Bleifuss auf dem Gaspedal stehen und jagte mit horrender Geschwindigkeit rückwärts den Waldweg zurück. Hein stand wieder auf und zielte mit seiner Pistole auf das wegfahrende Auto. Dann gab er mehrere Schüsse auf den vorderen, rechten Reifen ab. Der vierte Schuss sass und durchbohrte den Pneu. Ein Knall und der Gummi zerplatzte. Sabine Hugentobler verlor die Kontrolle über ihr Fahrzeug und versuchte den schlingernden Kurs mit Gegensteuer zu halten. Dabei überfuhr sie einen Stein, so gross wie ein Koffer. Dieser brachte den Audi vollends aus der Spur. Hugentobler stand nun voll auf die Bremse. Das ABS des Fahrzeuges reagierte auf dem feuchten, rutschigen Waldboden und fing an zu stottern. Aufgrund der nach wie vor hohen Geschwindigkeit fing der Wagen an sich um die eigene Achse zu drehen. Dabei touchierte Hugentobler einen quer liegenden Baumstamm und der Audi kippte über die Längsachse und drehte sich aufs Dach. Der Matsch wirkte wie Schmierseife und das Auto rutschte nun unkontrolliert auf die Waldhütte «zum Staffehau» zu. Hein blieb stehen und beobachtete die ausser Kontrolle geratene Situation aus Distanz. Er rannte den Abhang hinunter. Sabine Hugentobler krallte sich kopfüber an ihrem Lenkrad fest und musste tatenlos zusammen was nun passierte. Während dem der E-Tron fessellos, auf dem Dach rutschend, weiter Tempo aufnahm, kam die Hütte schnell immer näher. Hein schrie in den Wald hinein: «Sabine, spring raus!» Doch sie hörte nichts. Dann krachte der sündhaft teure SUV ungebremst in das Holzhaus. Genau auf der Höhe der beiden Metallschränke, zwischen welchen sich kurz zuvor Reto Hein in Deckung befand. Beim Aufprall wurde der Gasschlauch aus der Wand gerissen. Propangas strömte aus. Der Audi machte nochmals eine viertel Drehung und blieb schliesslich stehen. Hugentobler versuchte sofort die Türe zu öffnen. Vergebens. Das Fahrzeug hatte sich in die Holzfassade gebohrt und war links und rechts von dicken Holzbalken eingekeilt. Hein strauchelte weiter in Richtung Hütte. «Raus», schrie er weiter. «Raus!» Dann gab es einen Feuerball, gefolgt von einem lauten Knall. Ein herabhängendes Stromkabel löste mit einem Kurzschluss die Gasexplosion aus und die Waldhütte stand in Flammen. Hein warf sich flach auf den Boden. Trümmerteile schlugen direkt neben ihm in den Waldboden ein.

«Neiiiiin», schrie er, stand auf und versuchte so nahe wie möglich an den Schauplatz zu gelangen. Doch die Hitze hielt ihn ab. Er Griff zu seinem iPhone und wählte den Notruf. Er erklärte dem diensthabenden Beamten wer er war, wo er ist und was passiert war und legte auf. Er lief in einem sicheren Abstand um die brennende Hütte herum und kontrollierte ob noch andere Personen vor Ort waren. Doch der Parkplatz war leer. Wieder eine Explosion. Es waren die Batterien vom Audi. Hein setzte sich auf einen Baumstrunk und wartete. Minuten verstrichen bis er die Martinshörner hörte. Die regionale Feuerwehr Beringen war zuerst auf Platz und begann umgehend mit der Brandbekämpfung. Es folgten seine Kollegen, gefolgt von der Ambulanz. Hein blieb einfach sitzen und beobachtete das Treiben. «Hier», riefen die Feuerwehrmänner zum Notarzt. Offenbar hatten sie Sabine Hugentobler gefunden. Hein stand auf und tänzelte nervös von einem Bein auf das andere. Doch plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen. Herbert Brönnimann fuhr in seinem silbergrauen Mercedes AMG GLS bei der Waldhütte vor. Er parkte mitten auf dem Weg, stieg aus und kam geradewegs auf Reto Hein zu. «Ruhig bleiben, Reto», sagte der Kommissar zu sich selbst. «Ruhig bleiben.» «Hein, was machst du denn hier so alleine mitten im Wald?», fragte der Polizeikommandant. «Ich war zufälligerweise in der Gegend», antwortete Hein ohne seinen Chef anzuschauen. «So, so», entgegnete dieser und weiter: «Was für eine Zufall. Gibt es irgendwelche Opfer?» Hein antwortete regungslos: «Vielleicht.» «Vielleicht», fragte Brönnimann leicht gereizt. «Was heisst vielleicht?» «Nun», gab Hein zur Antwort und fuhr fort: «Nun, sehr wahrscheinlich heisst das Opfer Sabine Hugentobler…!» Er konnte den Satz nicht beenden als er sah, wie der Polizeikommandant die Gesichtsfarbe wechselte und bleich und bleicher wurde. «Geht es nicht gut, Chef?», fragte Hein provokativ. «Weitermachen, Hein», befahl er ihm, drehte auf dem Absatz, ging schnurstracks zu seinem Wagen, stieg ein und fuhr los. Hein wusste, dass er jetzt in ein Wespennest gestochen hatte. Er schaute auf seine Uhr. Es war Zeit ins Kantonsspital Schaffhausen zu fahren. Er musste bei seiner Kollegin sein wenn sie aus der Narkose aufwachte. Langsam entfernte er sich vom Schauplatz und lief den Waldweg hoch zu seinem Defender. Er setzte sich ans Steuer, der Schlüssel steckte noch, startete den Motor und fuhr durch den Wald in Richtung Beringen. Er war komplett durch den Wind.

 

FORTZSETZUNG FOLGT...

Explosion der Waldhütte "zum Staffehau". Gibt es Überlebende?

EIN RHEINFALL-KRIMI IN STÜCKEN UND ANDEREN KÖRPERTEILEN

MORDEN IM NORDEN DER SCHWEIZ

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